Geschäftsvorfall suchen, wie z.B.: Abschreibung

Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft

Nach § 25b Abs. 1 UStG liegt ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft vor, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Drei Unternehmer schließen über den selben Gegenstand Umsatzgeschäfte ab.
  • Der Gegenstand gelangt unmittelbar vom ersten Lieferer an den letzten Abnehmer.
  • Die Unternehmer sind in jeweils verschiedenen Mitgliedstaaten der EU für Zwecke der Umsatzsteuer erfasst.
  • Der Gegenstand der Lieferungen gelangt aus dem Gebiet eines Mitgliedstaates der EU in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaates der EU.
  • Der Gegenstand der Lieferung wird durch den ersten Lieferer oder den ersten Abnehmer befördert oder versendet.

Nach § 25b Abs. 2 UStG schuldet der letzte Abnehmer die Umsatzsteuer, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Lieferung ist ein innergemeinschaftlicher Erwerb vorausgegangen.
  • Der erste Abnehmer ist nicht in dem Mitgliedstaat der EU ansässig, in dem die Beförderung oder Versendung endet. Er verwendet gegenüber dem ersten Lieferer und dem letzten Abnehmer dieselbe Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die ihm von einem anderen Mitgliedstaat erteilt worden ist als dem, in dem die Beförderung oder Versendung beginnt oder endet.
  • Der erste Abnehmer erteilt dem letzten Abnehmer eine Rechnung i.S.d. § 14a Abs. 7 UStG, in der die Steuer nicht gesondert ausgewiesen ist.
  • Der letzte Abnehmer verwendet eine USt-Identifikationsnummer des Mitgliedstaates der EU, in dem die Beförderung oder Versendung endet.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, wird das innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäft wie folgt verbucht:

  • Der deutsche Unternehmer ist letzter Abnehmer: Der Erwerb wird auf das Konto „Erwerb Waren als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19% Vorsteuer und 19% Umsatzsteuer (SKR03 #3553/SKR04 #5553)“ oder „Erwerb Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer (SKR03 #3089/SKR04 #5189)“
  • Der deutsche Unternehmer ist Zwischenerwerber (2. Lieferer/1. Abnehmer): Der Erwerb wird auf das Konto „Erwerb 1. Abnehmer innerhalb eines Dreiecksgeschäftes (SKR03 #3552/SKR04 #55552)“ gebucht, der Erlös auf das Konto „Lieferungen des ersten Abnehmers bei innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften § 25 b Abs. 2 UstG (SKR03 #8130/SKR04 #4130)“.
  • Der deutsche Unternehmer ist 1. Lieferer: Er tätigt eine normale innergemeinschaftliche Lieferung an den 1. Abnehmer. Der Erlös wird auf das Konto „Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UstG (SKR03 #8125/SKR04 #4125)“

Auf Grund der E-Bilanz-Taxonomie müssen der Wareneingang und Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in unterschiedlichen Positionen in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden. Damit ein korrekter Ausweis in der Gewinn- und Verlustrechnung erfolgt, muss auch bei der Buchung von innergemeinschaftlichen Erwerben genau unterschieden werden, ob es sich um Handelswaren oder Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe handelt.


Geschäftsvorfall

Konten:

Erwerb

Kontenbezeichnung

SKR 03

SKR 04

Erwerb 1. Abnehmer im Dreiecksgeschäft

3552

5552

Erwerb Waren als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer

3553

5553

Erwerb Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer

3089

5189

Vorsteuer aus Erwerb als letzter Abnehmer innerhalb eines Dreiecksgeschäfts

1573

1436

In Rechnung unrichtig oder unberechtigt ausgewiesene Steuerbeträge, UStVA KZ 69

1783

3851

Umsatzsteuer aus Erwerb als letzter Abnehmer innerhalb eines Dreiecksgeschäfts

1794

3819

Erhaltene Skonti aus Erwerb Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer

3792

5792

Erhaltene Skonti aus Erwerb Waren als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer

3793

5793

Lieferung

Kontenbezeichnung

SKR 03

SKR 04

Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG

8125

4125

Lieferung des 1. Abnehmers bei innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften § 25b Abs. 2 UStG

8130

4130

Konten
Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft – Waren

 

Unternehmer A aus EU-Staat 1 kauft eine Maschine bei dem Unternehmer B aus EU-Staat 2. Unternehmer B bestellt die Maschine seinerseits bei dem Hersteller C aus dem EU-Staat 3. Die Maschine wird durch Unternehmer C unmittelbar von EU-Staat 3 nach EU-Staat 1 befördert oder versendet. C liefert an B (Lieferung 1), B liefert an A (Lieferung 2).

Hinweis: Alle Beteiligten treten unter der USt-IdNr. ihres Landes auf. Aus Vereinfachungsgründen wird als Rechtsgrundlage jeweils die Vorschrift des deutschen UStG angegeben, auch wenn es sich um Steuertatbestände handelt, die nach ausländischem Recht zu beurteilen sind.

Gesetzestechnisch gilt bei dem Beispiel: A: EU-Staat 1 = letzter Abnehmer (Empfänger) B: EU-Staat 2 = 2. Lieferer / 1. Abnehmer (Erwerber) C: EU-Staat 3 = 1. Lieferer

Ausgeführte Umsätze beim innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäft

  • Innergemeinschaftliche Lieferung des 1. Lieferers (C) i.Sinne des § 6a UStG in dem Mitgliedstaat, in dem die Beförderung oder Versendung des Gegenstandes beginnt (EU-Staat 3)
  • Innergemeinschaftlicher Erwerb des 1. Abnehmers (B) in dem Mitgliedstaat, in dem die Beförderung oder Versendung endet (§ 3d Satz 1 UStG) – EU-Staat 1
  • Innergemeinschaftlicher Erwerb des 1. Abnehmers (B) in dem Mitgliedstaat (EU-Staat 2), der ihm die verwendete USt-IdNr. erteilt hat (§ 3d Satz 2 UStG)
  • Inlandslieferung des 1. Annehmers (B) in dem Mitgliedstaat, in dem die Beförderung oder Versendung endet (EU-Staat 1)

Folgen der Vereinfachungsregel des § 25b UStG

  • Übertrag der Steuerschuld für die Lieferung des 1. Abnehmers (B) auf den letzten Abnehmer (A) (§ 25b Abs. 2 UStG)
  • Der innergemeinschaftliche Erwerb des 1. Abnehmers (B) gilt als besteuert (§ 25b Abs. 3 UStG). Diese fiktive Besteuerung beim 1. Abnehmer (B) gilt grundsätzlich für beide innergemeinschaftlichen Erwerbe (§ 3d Satz 1 UStG und § 3d Satz 2 UStG).
  • Mit dem Übergang der Steuerschuld und der fiktiven Erwerbsbesteuerung wird die umsatzsteuerliche Erfassung des 1. Abnehmers (B) im Bestimmungsmitgliedsland (EU-Staat 1) im Ergebnis vermieden.

Besonderheiten bei Unternehmer B beachten

B hat in seiner Rechnung (§ 25b Abs. 2 Nr. 3 UStG i.V.m. § 14a Abs. 1a und 2 UStG) an den A auf das Vorliegen eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts und die Übernahme der Steuerschuld durch A hinzuweisen. In der Zusammenfassenden Meldung (ZM) an das Bundeszentralamt für Steuern (§ 18a UStG) ist dieser Umsatz in einer gesonderten Zeile getrennt von den übrigen Umsätzen anzugeben und in Spalte 3 mit einer „1“ zu kennzeichnen (§ 18a Abs. 4 Nr. 3 UStG)

UStVA-Kennzahl 42

  • Zusätzlich hat B in seiner deutschen UStVA in Kennzahl 42 – „Lieferung des 1. Abnehmers (§ 25b Abs. 2 UStG) bei Innergemeinschaftlichen Dreieckgeschäften“ – die Bemessungsgrundlage seiner Lieferung an A einzutragen (§ 18b Satz 1 und 3 UStG)

Buchungsbeispiel
Kurzbeschreibung des Buchungsfalles:

Deutscher Unternehmer als letzter Abnehmer (A)

Kontierungsvorschlag:

  • SKR 03

    Soll
     
    Haben

    3553

    Erwerb Waren als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19% VSt und 19% USt

    an

    70000

    Kreditor

  • SKR 04

    Soll
     
    Haben

    5553

    Erwerb Waren als letzter Abnehmer innerhalb Dreiecksgeschäft 19% VSt und 19% USt

    an

    70000

    Kreditor

Buchungsbeispiel/Kontierungsvorschlag

Buchungsbeispiel
Kurzbeschreibung des Buchungsfalles:

Deutscher Unternehmer als 1. Abnehmer (B) – Zwischenerwerber

Kontierungsvorschlag:

  • SKR 03

    Wareneingang des 1. Abnehmers
    Soll
     
    Haben

    3552

    Erwerb 1. Abnehmer im Dreiecksgeschäft

    an

    70000

    Kreditor

             
    Lieferung des 1. Abnehmers
    Soll
     
    Haben

    10000-69999

    Debitor

    an

    8130

    Lieferungen des ersten Abnehmers bei innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften § 25b Abs. 2 UStG

     

  • SKR 04

    Wareneingang des 1. Abnehmers
    Soll
     
    Haben

    5552

    Erwerb 1. Abnehmer im Dreiecksgeschäft

    an

    70000

    Kreditor

             
    Lieferung des 1. Abnehmers
    Soll
     
    Haben

    10000-69999

    Debitor

    an

    4130

    Lieferungen des ersten Abnehmers bei innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften § 25b Abs. 2 UStG

     

Buchungsbeispiel/Kontierungsvorschlag

Buchungsbeispiel
Kurzbeschreibung des Buchungsfalles:

Deutscher Unternehmer als 1. Lieferer (C)

Kontierungsvorschlag:

  • SKR 03

    Der deutsche Unternehmer tätigt eine normale innergemeinschaftliche Lieferung an den 1. Abnehmer (B)
    Soll
     
    Haben

    10000-69999

    Debitor

    an

    8125

    Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG

  • SKR 04

    Der deutsche Unternehmer tätigt eine normale innergemeinschaftliche Lieferung an den 1. Abnehmer (B)
    Soll
     
    Haben

    10000-69999

    Debitor

    an

    4125

    Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG

Buchungsbeispiel/Kontierungsvorschlag